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Newsletter 3/2022


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Krisenresilienz von Transportketten und Häfen soll zentrales Thema der Nationalen Hafenstrategie werden.

Die Binnenhäfen fordern bessere Rahmenbedingungen für die Verkehrsverlagerung auf Schiene und Wasserstraße sowie ein Level-Playing-Field für beide Verkehrsträger.

Berlin, 27. Juni 2022: Beim Parlamentarischen Abend der Binnenhäfen und der Binnenschifffahrt am 23. Juni 2022 in der Belgischen Botschaft in Berlin standen die Steigerung der Resilienz unserer Wirtschaft und unserer logistischen Systeme aufgrund der aktuellen Krisen besonders im Fokus. Gleichzeitig bekräftigte die Branche ihre Bereitschaft, aktiv an den Lösungen für Zukunftsfragen wie Energiewende, Klimaneutralität, Digitalisierung und Modernisierung der Infrastruktur mitzuwirken. Sowohl im Impulsvortrag von Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing als auch in der anschließenden Podiumsdiskussion wurden diese Herausforderungen ebenfalls aufgegriffen.

BÖB-Präsident Joachim Zimmermann: „Der Krieg in der Ukraine hat den Druck auf die internationalen Logistikketten massiv verstärkt. Die Versorgungssicherheit von Industrieunternehmen, aber auch die des Handels und der Energieerzeuger kann zurzeit nur unter großen Kraftanstrengungen aller Beteiligten gewährleistet werden. Gleichzeitig offenbart das Arbeiten am Limit von Personal, Equipment und Infrastruktur die Schwächen im System. Oberstes Ziel der Politik muss es daher sein, Rahmenbedingungen zu setzen, die die Resilienz der Transportketten gegenüber Krisen steigern.

Die Binnenhäfen als Knotenpunkte für die Versorgung unserer Wirtschaft und der Bevölkerung nehmen dabei eine besondere Funktion ein. Bereits seit Beginn der Pandemie haben die Binnenhäfen ihre Systemrelevanz unter Beweis gestellt. Diese Funktion gilt es zu stärken und auszubauen. Das Bundesverkehrsministerium sieht hierin ebenfalls ein zentrales Thema für die neue Nationale Hafenstrategie.

Ein zentraler Punkt für mehr Krisenresilienz aus Sicht der Binnenhäfen ist die Schaffung eines Level-Playing-Fields zwischen Bahn und Binnenschiff. Rund ein Viertel des gesamten Schienengüterverkehrs in Deutschland wird in unseren Binnenhäfen abgewickelt. Das ist ein enormer Beitrag zum Erreichen unserer Klimaziele. Aber die aktuellen, gravierenden Störungen im System Schiene zeigen auch: Die Schiene kann die Sicherung der Versorgung von Industrie und Handel nicht allein gewährleisten. Wir müssen Schiene und Wasserstraße als sich ergänzende Teile eines umweltfreundlichen Systems denken, das auf die individuellen Stärken und die Verknüpfung der beiden Verkehrsträger setzt. Verkehrsverlagerung darf sich nicht zwischen den beiden umweltfreundlichen Verkehrsträgern abspielen, sondern von Straße auf Schiene und Wasserstraße.

Der Kombinierte Verkehr ist ein wichtiger Baustein für Verkehrsverlagerung. Wir bedanken uns daher ausdrücklich beim Bundesverkehrsminister für die Novellierung der Förderrichtlinie für den Kombinierten Verkehr. Die neue Richtlinie wird voraussichtlich viele Forderungen der Branche aufgreifen. Besonders die Förderfähigkeit von Ersatzinvestitionen begrüßen wir Binnenhäfen sehr. Unser Dank gilt auch den Fach- und Haushaltspolitikern, die sich erfolgreich gegen eine Absenkung und für eine Erhöhung des Titels um 5. Mio. Euro eingesetzt haben.

Neben der KV-Förderung brauchen wir auch Anreize und bessere Rahmenbedingungen für nicht-containerisierte Güter. Hier stehen für die Binnenhäfen vor allem Erleichterungen bei Genehmigungen für Umschlag und Transport im Fokus. Neben der dringend benötigten Sanierung der vorgelagerten Infrastrukturen fordern wir daher eine Optimierung der bewährten Förderung für das Schienengüterfernverkehrsnetz (SGFFG) sowie die Schaffung eines analogen Programms von Bund und Ländern zur Ertüchtigung von Kai- und Uferanlagen in den Häfen.

Darüber hinaus haben wir die Transformation der Hafenwirtschaft in die Zukunft fest im Blick.

Ich freue mich, dass wir als Binnenhäfen mit unseren Angeboten zu Zukunftsfragen rund um klimafreundliche Verlagerung auf Schiene und Wasserstraße, Energiewende und Energieträger der Zukunft sowie Digitalisierung und Automatisierung so starken Widerhall im politischen Berlin finden.

Wir gehen voran als Vorreiter für innovative Ansätze zur Realisierung der Energiewende: Binnenhäfen waren immer schon Drehscheiben für die Energieversorgung. Wir gehen bereits den Weg von Kohle und fossilen Brennstoffen zu den Energieträgern der Zukunft – schon heute gibt es über 30 innovative Pilotprojekte und Modellvorhaben unter Beteiligung von Binnenhäfen. Binnen- wie Seehäfen werden als Wasserstoffhubs und Knotenpunkte für klimaneutrale Energieträger enorm an Bedeutung gewinnen.

Die Binnenhäfen waren bereits in der Vergangenheit Wegbereiter von Fortschritt und Innovationen und sind dies auch heute. Wir stehen auch künftig zu unserer Verantwortung, einen aktiven Beitrag für den Wandel zu einer modernen Hafen- und Logistikwirtschaft, die die Industrie und die Regale in den Supermärkten sicher und klimaneutral mit Waren und Gütern versorgt, zu leisten. Der kürzlich durch das Bundesverkehrsministerium gestartete Prozess zur Erarbeitung einer Nationalen Hafenstrategie bietet einen geeigneten Rahmen, um unsere Zukunftsthemen zu adressieren, gemeinsam zu bearbeiten und entsprechende politische Rahmen zu setzen. Die Binnenhäfen werden diesen Prozess aktiv mitgestalten.“

(Bildquelle: berlin-event-foto.de / Peter-Paul Weiler)

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